Ramschmarkt für Online Bilder

November 26, 2013 | By

Groov_bootwas waren das noch für Zeiten, als klassische Bildagenturen recht entspannt mit einem umfangreichen Archiv an hochwertigem, analogen Bildmaterial stolze Marktpreise festlegen konnten, wo der Bildarchiv Markt selbst in der Übergangszeit von analog zu digital noch mit deutlich weniger Konkurrenz zu kämpfen hatte. Die goldenen Zeiten der Hochpreis Agenturen mit ihren handverlesenen Bildautoren aus der Profi Liga sind längst vorbei, denn nach und nach haben sog Microstock Agenturen höher preisige Bildagenturen vom Markt weggefegt!

 

 

Seit ca 2004 konnte man einen regelrechten Boom an Microstock Bildagenturen beobachten, wo neben Profis auch ein Heer an Hobbyknipsern mitmischen dürfen, wenn gewisse Mindestanforderungen an Bildqualitäten erfüllt sind. Der Siegeszug von (Semi)professionellen Digitalkameras zu erschwinglichen Preisen hat das besonders für Microstocks lukrative „Crowdsourcing“ im Online Bildermarkt möglich gemacht. Doch auch im Microstock Markt scheinen die Boom Jahre zu Ende zu gehen, wo mittlerweile unter diesen Online Plattformen ein gewisser Kannibalismus um sich greift. Lockvogelangebote von je 99 Cent für Bilddateien in hoher Druckauflösung sind schon keine Seltenheit mehr, überhaupt gewinnt man den Eindruck, dass sich solche Discounter für ein zweites Standbein als Bilderlieferant nicht mehr lohnen, zumal die Konditionen zwecks fairer Entlohnung immer unattraktiver werden, was jedoch von Anbieter zu Anbieter variiert, die Tendenz zeigt aber deutlich nach unten, mit digitalen Bildern verdienen immer weniger Teilnehmer wenigstens dauerhaft ein Taschengeld;-)

Das Geschäftsmodell einer Microstock Bildagentur basiert, wie bereits erwähnt, auf Crowdsourcing, die Masse macht den Gesamtumsatz zu Kampfpreisen im Bildermarkt, die man schon teilweise als jenseits von gut und böse bezeichnen kann. Sicher ist diese Entwicklung erfreulich für Bildeinkäufer, bequem und in Anbetracht knapper Budgets gleich kilo – oder tonnenweise Bilder für verschiedene Projekte legal zu erwerben, jedoch wächst auch die Gefahr, dass sich wegen der zunehmend miserablen Verdienstmöglichkeiten mehr und mehr gute und verdiente Bildautoren von diesen Plattformen verabschieden, was für einen kleineren Anbieter das vorzeitige Aus bedeuten kann. Der Online Bildermarkt ist mittlerweile übersättigt, das trifft eigentlich auf die Stockfotografie zu, die die aktuell gängigen Ramschmarkt Plattformen dominiert. Stockfotografie wird auch als Brot-und-Butter Fotografie bezeichnet, für mich ist es inflationärer Mainstream, dessen massentaugliche Bildmotive ich eigentlich schon an jeder Ecke satt gesehen habe! Verständlicherweise sinkt auch die Motivation des ein ein oder anderen Bildautors hochwertige Bildkompositionen hochzuladen, die für unverschämt kleines Geld feilgeboten werden und die Agentur den weit aus grösseren Kuchen an Profit für sich einbehält, je mehr Marktteilnehmer eine Microstock Plattform verzeichnen kann, umso dreister provisioniert sie ihre Umsätze, zum Ärger und Verdruss des Fotografen, denn der „Nachschub“ ist sicher oder vielleicht doch nicht mehr?!

aus diesem Dilemma möchte eine recht frische Online Bildagentur mit Preisen ab 50 Euro ausbrechen, die eine Beteiligung für ein verkauftes Bild von immerhin 50% verspricht, ich möchte hiermit keine (kostenlose) Werbung für einen neuen Player machen, sondern eher beobachten, wie sich die in diesem Jahr gegründete Bildagentur mit differenzierten Lizenzmodellen entwickelt, vom Royalty Free Modell, also Pauschal-Lizenzen für Bilder hat man sich verabschiedet, deswegen mein Link in diesem Blogartikel:

exclupics.com nimmt nicht mehr am Bildermarkt teil!

kurzes Fazit: Microstock Agenturen stehen aktuell wegen hoher Fluktuationen und Kannibalisierungseffekten zunehmend unter Druck, wo zukünftig eine Marktkonzentration auf wenige Anbieter nicht mehr ausgeschlossen ist, vielleicht steigen dann wieder die Preise, jedoch nicht die Honorare zugunsten der Bildautoren, man kann es auch so sehen: Crowdsourcing ist eine weitere Form von Lohndumping, aber das ist wieder ein anderes Thema;-)

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Category: Magazin, Trends

Rheinlaender

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gerade der Online-Werbemarkt befindet sich aktuell im Umbruch, die angeblich hohen Wachtumsraten spiegeln nicht immer die Realität wieder. Monopolisierungseffekte zu Lasten kleinerer Publisher werden immer offenbarer. Besonders aggressive, zum Teil mit Schadcode infizierte Werbemittel aus Werbenetzwerken belasten zunehmend Besucher der jeweiligen Websites. Als Notwehr setzen Surfer zunehmend Werbe-Filter ein, die evtl Navigation und die Anzeige von (unentgeldlichen) eingebetteten Informationen Dritter beeinträchtigen. Eine Refinanzierung durch Werbung von Nischenprojekten ist somit kaum noch möglich. Als Lösung sind folgende Leistungen möglich - Entwicklung und Konzeption von alternativen, unaufdringlichen sowie crossmedialen Werbemitteln - freie, experimentell bildnerische Arbeiten für werbliche Zwecke - grafische Arbeiten sowie visuelles Brand-Building für Internetdomains mit wirtschaftlicher Relevanz - Verfassen von Pressemitteilungen sowie werblichen Fachartikeln (Advertorials) - Markenentwicklung speziell für Nischenanbieter.

Comments (1)

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  1. Jana sagt:

    Danke für den Hinweis mit exclupics. Diese Agentur kannte ich noch nicht, aber aufgrund der ersten positiven Erfahrungen und Verkäufe, werde ich wohl mein gesamtes Portfolio auf diese Agentur umziehen.

    Nochmals herzlichen Dank!!!

    Liebe Grüße
    Jana