Yellowsites vs Suchmaschinen

Oktober 18, 2020 | By

Nach aktueller, interner Information schwächelt der Suchmaschinenmarkt in einem grösseren Ausmass, was man noch vor fünf Jahren für undenkbar gehalten hätte. Google ist die bisher mit Abstand meistgenutzte Suchmaschine in Europa. Aufgrund nicht vorhandener Konkurrenz wundert dieser Zustand auch nicht mehr, obwohl die Qualität des Marktführers bezüglich der Suchergebnisse stark eingebüsst hat.

Die Mitbewerber können oft nicht mithalten, denn die Suchergebnisse sind insgesamt meist schlechter als besser. Einzig Bing könnte Google noch Marktanteile abringen, der Rest ist im Grunde genommen obsolet. Sogenannte datenschutzorientierte Metasuchmaschinen sind nichts anderes als Mitnahmeeffekte im Suchmaschinenmarkt und von Konkurrenzfähigkeit meilenweit entfernt. „Wir erheben keine personenbezogenen Daten“ reicht als Argument für einen Wechsel nicht mehr aus. Ausserdem haben die Nutzer Crawler Spam restlos satt, der sich permanent versucht in Suchergebnisse ursprünglicher Websites einzunisten, deren Inhalte regelmässig aktualisiert werden.

Die Suchmaschinen Google und Bing sind zu Aggregatoren für vornehmlich Mainstream Müll verkommen, zudem offenbaren die marktführenden Informationsaufbereiter die grosse Spielwiese für SEO und SEA Spammer, die mit flachen Werbeinhalten zunehmend Nutzer vergraulen. Kein vernünftiger Mensch möchte weder von Google noch von Bing als meinungsloser Konsumtrottel betrachtet werden. Die Suchmaschinen von Heute sind schlecht und austauschbar geworden!

Insgesamt präsentiert sich der Suchmaschinenmarkt als restlos verbraucht und innovationslos. Stagnation und Beliebigkeit/Austauschbarkeit zeichnen die Suchmaschinen von Heute aus. Stattdessen haben SEO-Spamming und Missachtung des Markenrechts Hochkonjunktur. In früheren Artikeln habe ich schon auf die ernstzunehmende Problematik des Brand Bidding hingewiesen. Jedem namhaften Suchmaschinenbetreiber ist mittlerweile jedes Mittel recht und billig, Wettbewerbsrecht und Markenrecht zu ignorieren. Profit und Sichtbarkeit um jeden Preis zeugen nicht nur von der Dummheit der jeweiligen Betreiber, sondern auch von der Dummheit der jeweiligen SEA Kunden.

Suchmaschinenwerbung ist alles andere als prickelnd und wirkt billig und platt. Immer mehr Nutzer sind von den on Top Ads genervt, die permanent denselben Werbemüll mit flachsinnigen Textinhalten beinhalten und organische Suchergebnisse teilweise weit nach unten drücken. Nicht selten kann von Relevanz bei Top Suchergebnissen keine Rede mehr sein. Die unangenehme Wahrnehmung von penetranter Ramschwerbung sollte nicht unterschätzt werden. Nicht nur für Markeninhaber sind Suchtreffer ärgerlich, wenn werbliche Angebote mit denen des Kennzeicheninhabers nicht vereinbar sind.

Ich denke, dass sich der Informationsmarkt aktuell im Umbruch befindet und auch das Nutzerverhlten markant verändern wird. Die Nachfrage nach lohnenden Alternativen sind ohne Zweifel vorhanden. Es gibt keinen vernünftigen Grund, den Magnaten die Regeln im Werbemarkt bedingungslos zu überlassen.

Eine Renaissance im Informationsmarkt ist durchaus in Sicht: Yellowsites sind branchenbezogene Internetportale, die auch auf kleine, lukrative Nischen spezialisiert sind. Branchenportale sind in der Tat nichts Neues, dennoch schlummern Marktpotentiale, mit denen insbesondere datenschutzorientierte Nutzer glücklich werden können.

Yellowsites sind zwar für Desktop Nutzung favorisiert, was aber nicht heisst, dass der mobile Sektor ausgeklammert wird. Gezielte, mobile Informationsbeschaffung hat sich schon in diversen Messenger Diensten bewährt, so dass Suchmaschinen weniger bemüht werden. Eine Yellowsite hat das Potential, zu einem informativen, attraktiven und eigenständigen Kanal insbesondere für Desktop Nutzer ausgebaut zu werden, wo Produkte und Dienstleistungen relevanter Branchen mühelos gefunden werden. Yellowsites punkten mit exzellenter Navigation und Auffindbarkeit. Die konzeptionelle Verschlagwortung führt auch zu schnellen, gewünschten Treffern, die bei den herkömmlichen Suchmaschinen weit abgeschlagen oder überhaupt nicht mehr zu finden sind.

Für ein CMS wie WordPress gibt es zumindest eine kleine Auswahl an Branchenverzeichnissen, die als Zusatzmodule ohne Kollison mit der WP Installation integrierbar sind. Die Zeit ist reif, neue Informationskanäle zu entwickeln. Ich bin dabei und teste bereits ein paar Module, mein Blogmagazin zu einer Yellowsite zu erweitern, die insbesondere die Kreativbranche als Katalog in attraktivem Design und mit guter Navigation abdeckt.

Sind Suchmaschinenmarktführer, so wie wir sie Heute kennen, in ein paar Jahren out of order? Angesichts der guten Beziehungen zu Politik und Kommissionen sowie „Verträgen“ mit Hardware Magnaten noch nicht zu erwarten. Zumindest zeichnet sich ab, dass die Marktanteile von Google und Co schrumpfen, erst recht, wenn Wettbewerber den Mut haben, den omnipotenten Aggregatoren konkurrenzfähige Alternativen entgegensetzen und sich von drohenden Penalties bezüglich Sichtbarkeiten im eingezäunten Kartell nicht einschüchtern lassen. Denn Unabhängigkeit kann sich am Schluss auszahlen.

Lesetipps:

Die Forderung nach Zerschlagung der Internetgiganten gibt es schon seit ein paar Jahren – swp.de 

ein legendäres Branchenportal

Google Werbung ist Geldverschwendung

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Rheinlaender

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Querkopf, manchmal Spassvogel, weder mit abstrusen Ideologien noch mit Mainstream Medien kompatibel.

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